In den letzten Jahren mehren sich die Verbote rund ums Wildcampen. Immer mehr Gemeinden und Kantone schränken Übernachtungen in der freien Natur ein oder verbieten sie ganz. Die Begründungen klingen oft ähnlich: Müll, Lärm, Schäden an der Umwelt oder Feuerstellen ausserhalb der erlaubten Plätze.
Ja, solche Probleme existieren. Niemand bestreitet, dass es Menschen gibt, die sich in der Natur rücksichtslos benehmen. Aber daraus ein pauschales Verbot für alle abzuleiten, ist eine fragwürdige Strategie. Es trifft Familien, Naturfreunde und Menschen mit kleinem Budget – also genau jene, die nicht jedes Wochenende auf dem Campingplatz oder im Hotel verbringen wollen oder können.
Solche Kollektivstrafen wirken erzieherisch, aber sie erzeugen auch Frust und entfremden Menschen von der Natur. Wenn wir wollen, dass mehr Leute ein Bewusstsein für Umweltpflege entwickeln, sollten wir sie nicht ausschliessen, sondern einbinden.
Ein Zelt aufstellen, den Sternenhimmel beobachten, am Morgen den ersten Kaffee inmitten der Stille trinken – das sind Erlebnisse, die Familien, Freundeskreise oder Alleinreisende prägen. Gerade für Menschen mit kleinerem Budget ist Wildcampen eine günstige Möglichkeit, Ferien in der Natur zu verbringen. Müssen wir wirklich alles pauschal unterbinden, weil einige wenige sich danebenbenehmen?
Es stellt sich die Frage: Wollen wir wirklich eine Gesellschaft, in der alles reglementiert, überwacht und sanktioniert wird? Wo Freiräume nur noch bestehen, wenn sie bewirtschaftet, eingezäunt und gebührenpflichtig sind? Oder trauen wir einander noch ein Mindestmass an Verantwortung zu?
Differenzierte Lösungen statt kollektiver Strafen
Wir sollten aufhören, immer gleich alles zu verbieten, sobald es Missbrauch gibt. Besser wäre es, differenzierte Lösungen zu entwickeln, die Freiheit und Rücksicht verbinden.
Natürlich braucht es Regeln. Natürlich müssen sensible Gebiete geschützt werden. Aber anstatt pauschal jede Übernachtung draussen zu verbieten, könnten wir Lösungen schaffen, die Freiheit und Verantwortung verbinden.
Ein möglicher Ansatz wäre eine kostenlose Bewilligung fürs Wildcampen auf öffentlichem Grund. Wer eine Nacht draussen verbringen will, registriert sich online, gibt den Standort an und absolviert einen kurzen online Kurs zu den wichtigsten Regeln: Kein Feuer ausserhalb genehmigter Feuerstellen, kein Müll hinterlassen, Rücksicht auf Wildtiere und andere Menschen, etc. Damit wäre das Bewusstsein für den Schutz der Natur geschärft – und wer sich trotzdem nicht daran hält, kann gezielt gebüsst werden. Ich bin überzeugt: Wer sich bewusst anmeldet und sich mit den Regeln auseinandersetzt, wird eher darauf achten, keinen Schaden anzurichten. Und wer sich nicht daran hält, kann gezielt sanktioniert werden – anstatt allen das Erlebnis zu nehmen.
Natur erleben heisst Natur schätzen lernen
Wir können nicht erwarten, dass Menschen Natur schätzen und schützen, wenn sie kaum Zugang zu ihr haben. Wer draussen schläft, wird achtsamer gegenüber den Geräuschen, den Tieren, dem Boden unter der Isomatte. Diese Erfahrungen fördern ein Verständnis, das kein Lehrbuch ersetzen kann.
Darum wäre es zielführender, Menschen mitzunehmen, anstatt sie pauschal auszusperren. Wer sich respektvoll verhält, sollte die Möglichkeit haben, Wildcampen zu dürfen – ohne teure Bewilligungen oder Verbotsdrohungen.
