Kopfhörer sind kein Mythos

Kopfhörer sind kein Mythos

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Liebe Menschen, die im Jahr 2026 noch immer glauben, ihr Smartphone sei eine öffentliche Beschallungsanlage. Wir müssen reden.

Über TikTok-Videos im Zug, Sprachnachrichten im Wartezimmer, YouTube im Restaurant. Über irgendwelche Handyspiele mit scheppernden Soundeffekten. Und ganz besonders über Videocalls auf Lautsprecher, bei denen plötzlich ein halbes Zugabteil weiss, dass Tante Monika wieder Probleme mit ihrem Knie hat.

Ihr nervt.

Es gibt Erfindungen, bei denen man sich rückblickend fragt, wie die Menschheit vorher überhaupt existieren konnte. Elektrizität, fliessendes Wasser, Antibiotika. Und irgendwo in dieser ruhmreichen Ahnenreihe: Kopfhörer. Kleine, erstaunlich erschwingliche Geräte, die es ermöglichen, Geräusche direkt in die eigenen Ohren zu transportieren, ohne dabei 37 unbeteiligte Menschen mitzunehmen.

Eine fantastische Technologie.

Und trotzdem sitzt ihr da. Handy auf dem Tisch. Lautsprecher an. TikTok Nummer 14: «OH MY GOOOD GUYS, YOU WON’T BELIEVE…»

Doch. Ich glaube es sofort. Ich glaube inzwischen alles. Vor allem glaube ich, dass ich gleich wahnsinnig werde.

Dabei geht es nicht darum, dass ich absolute Stille verlange. Öffentlicher Raum ist öffentlich. Menschen reden. Kinder lachen. Babys schreien. Züge quietschen. Kaffeemaschinen zischen. Irgendwo fällt immer etwas um. Das gehört zum Leben.

Was nicht zwingend zum Leben gehört, ist eure algorithmisch zusammengestellte Endlosschleife aus Katzenvideos, Influencern, Fussballkommentaren und zehnsekündigen Musikfetzen. 

Das ist keine Umgebung. Das ist eure Unterhaltung. Und genau deshalb gibt es Kopfhörer.

Besonders faszinierend finde ich Menschen, die telefonieren, indem sie das Smartphone wie ein kleines Tablett vor ihren Mund halten und den Gesprächspartner auf maximale Lautstärke schalten. 

Warum?

Das Telefon wurde ursprünglich sogar so konstruiert, dass man es ans Ohr halten kann. Wirklich. Das funktioniert. Man muss dafür weder ein technisches Studium absolvieren noch Bluetooth konfigurieren. Einfach: Telefon. Ohr. 

Revolutionär.

Natürlich gibt es Situationen, in denen jemand keine Kopfhörer benutzen kann oder will. Kein Problem. Niemand verlangt Perfektion.

Aber wenn du jeden Morgen denselben Zug nimmst, jeden Morgen Videos schaust und jeden Morgen ein ganzes Abteil daran teilhaben lässt, dann ist das keine unglückliche Verkettung von Umständen mehr. Dann ist das ein Lebenskonzept.

Und dieses Lebenskonzept lautet: Was ich hören will, sollt ihr auch hören.

Nein.

Ich teile gerne vieles mit meinen Mitmenschen: Den öffentlichen Raum, eine Sitzbank, die Aussicht, zur Not sogar die Armlehne. Aber nicht deinen TikTok-Algorithmus.

Deshalb mein kleiner gesellschaftlicher Appell: Benutzt einfach Kopfhörer!

Mit Kabel. Ohne Kabel. Gross. Klein. Pink. Grün. Mit Noise Cancelling. Ohne Noise Cancelling. Mir völlig egal.

Hauptsache, der Ton landet dort, wo er hingehört: Bei euch.

 

 

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