Die Rudolfs in unserem Leben

Die Rudolfs in unserem Leben

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Ich weiss, Weihnachten ist weit weg und Rudolf das Rentier hat gerade Pause.
Gut so.
Denn es geht hier nicht um Weihnachten. 
Es geht um dieses eine Versprechen, das uns Filme, Lieder und Märchen seit jeher machen: Der Aussenseiter gewinnt am Ende.

Das hässliche Entlein wird zum Schwan.
Das unbeholfene Kind entdeckt plötzlich ein verborgenes Talent.
Das Mobbing-Opfer rettet am Ende die ganze Gruppe.

Und dann gehören sie endlich dazu. Applaus! Musik. Abspann.

Eine schöne Botschaft meinst du? Das sehe ich anders.

Denn was diese Geschichten wirklich aussagen ist: Du bist nicht genug.
Die Message lautet: Wenn deine Nase rot leuchtet, darfst du nur dazugehören, wenn du etwas leistest, das gross genug ist, um alle zu beeindrucken.

In Filmen, Geschichten und Liedern passiert es denn auch genau so:
Rudolf wird dank seiner leuchtenden Nase zum Retter im Schneesturm.
Dumbo hebt plötzlich ab - ausgerechnet wegen der Ohren, über die alle gelacht haben.
Wie praktisch!

Im echten Leben gibt es aber meistens keinen dramatischen Wendepunkt. 
Kein "Jetzt sehen plötzlich alle, wie toll du bist".
Und der Grund, für den du verspottet wirst, wird leider selten zur gefeierten Stärke.

Tatsache ist: Die meisten Rudolfs werden nie die Gelegenheit bekommen, sich in grossen Momenten zu beweisen.

Sie gewinnen keinen Superbowl.
Schiessen nicht das entscheidende Tor.
Bekommen keinen filmreifen Glow-up.

Und trotzdem sind sie da. Mit ihrer leuchtenden Nase. 
Und wollen einfach nur dazugehören.

Die richtige Botschaft in diesen Geschichten müsste aus meiner Sicht deshalb eine andere sein.
Nicht: Der Aussenseiter wird irgendwann einer von uns.
Sondern: Warum war er überhaupt nie einer von uns?

Denn ich glaube, in einem sind wir uns alle einig: 
Niemand möchte ausgeschlossen sein.

 

 

 

 

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