Der Himmel ist blau.
Die Sonne scheint.
Ein perfekter Frühlingstag.
Früher hätte man einfach gesagt: Was für ein schöner Tag!
Doch heute springt dir direkt eine Schlagzeile ins Gesicht: "Temperaturen im «frühlingshaften Bereich»: Doch es gibt leider einen Haken"
Saharastaub. Plötzlich sieht man ihn überall.
Der Himmel ist milchig.
Der Sonnenschein getrübt.
Der perfekte Frühlingstag wird zum Tiefdruckgebiet "Regina", welches von Marokko her Staub nach Mitteleuropa transportiert.
Dieses Wissen fühlt sich direkt an wie eine Staubschicht auf meiner Freude am schönen Wetter.
Und ich frage mich: Leben wir eigentlich in einer Zeit, in der alles einen Haken hat?
Unsere Generation weiss sehr viel über die Welt.
Wir wissen, dass der Himmel nicht nur blau ist, sondern voller Aerosole.
Wir wissen, dass Wüstenstaub aus Afrika bis zu uns fliegen kann - und dass diese Partikel das Sonnenlicht streuen.
Der Sonnenuntergang ist nicht mehr einfach schön -
er ist ein Zusammenspiel von Aerosolen, Streuung und Luftfeuchtigkeit.
Das Essen ist nicht nur lecker -
es ist CO2, Tierhaltung, Transportwerge.
Die Ferienreise ist nicht nur Erholung -
sie ist auch Klimabilanz.
Wir wissen mittlerweile immer, was hinter den Dingen steckt.
Das ist grossartig.
Aber es hat eine Nebenwirkung: Es macht die Welt nüchtern.
Selbst ein perfekter Frühlingstag bekommt plötzlich eine Fussnote. Es ist, als ob wir gelernt hätten, hinter jeder Freude ein kleines Sternchen zu setzen.*
*Na, heute schon ein schlechtes Gewissen gehabt?
Vielleicht gehe ich auch einfach falsch an die Sache ran.
Denn Wissen muss nicht zwingend ein Verlust von Zauber sein, sondern kann das Staunen auch vertiefen.
Plötzlich wird aus einem perfekten Frühlingstag eine unglaubliche Geschichte:
Ein Sturm irgendwo in der Sahara.
Ein Wind, der Staub kilometerweit in die Höhe trägt.
Eine Reise über Kontinente.
Und schliesslich ein Hauch Wüste in den Alpen.
Der Haken gibt uns vielleicht die Chance, die Welt auf zwei Arten zu betrachten.
Die erste Art ist analytisch: Sie fragt nach Ursachen, Risiken, Zusammenhängen.
Die zweite Art ist menschlich. Sie sagt nur: Wie schön!
Beide Perspektiven dürfen nebeneinander existieren.
Man kann wissen, dass Saharastaub den Himmel trübt -
und trotzdem den schönen Tag geniessen.
Man kann über Klimapolitik diskutieren -
und trotzdem das Reisen lieben.
Man kann die Welt verstehen wollen -
und sie gleichzeitig einfach erleben.
Und gerade deshalb sollten wir öfters:
Einfach im Gras zu sitzen.
Die Sonne im Gesicht.
Den Himmel anschauen.
Mit Staunen. Mit Freude.